WahrscheinlichkeitsrechnungZwei Juden saßen in einem Kaffeehaus und diskutierten das
Schicksal ihres Volkes.
»Wie erbärmlich ist unser Los«, sagte der eine. »Pogrome,
Seuchen, Einwanderungsquoten, Diskriminierung, Hitler, der Klu-Klux-Klan...
Manchmal glaube ich, es wäre besser für uns, wären wir nie geboren worden.«
»Bestimmt«, sagte sein Freund. »Aber wer hat schon dieses
Glück - vielleicht einer unter fünfzigtausend?«
Im Theater-Foyer. Im Gedränge stößt ein Jude an einen
Offizier. Noch bevor er ein Wort der Entschuldigung sagen kann, sagt der
Offizier schon: »Schwein!« - »Schapiro!« stellt der Jude seinerseits sich vor.
Ausgerechnet die Juden
»Herr Doktor, was haben Sie gegen den Zionismus?«
»Prinzipiell nichts. Nur ein paar einzelne Einwände: Erstens, warum habt ihr
euch ausgerechnet Palästina ausgewählt? Im Norden Sumpf, im Süden Wüste. Habt
ihr kein besseres Land finden können?
Zweitens, warum wollt ihr unbedingt eine tote Sprache wie Hebräisch dort
sprechen?
Und drittens verstehe ich nicht, weshalb ihr euch ausgerechnet die Juden
ausgesucht habt. Es gibt doch auch noch andere Völker.«
»Die jüdische Religion gefällt mir ganz außergewöhnlich«, sagt
ein Afro-Amerikaner zu einem Rabbi in New York. »Ich habe mich entschlossen,
Ihren Glauben anzunehmen.« Der Rabbi schüttelt den Kopf. »Das verstehe ich
nicht. Haben Sie als Farbiger nicht schon genug Unannehmlichkeiten?«
Kurz nach Hitlers Machtantritt, als manche die Gefährlichkeit
der neuen Entwicklung noch nicht begriffen, sagte ein Freund zu Kohn: »Ich komme
eben aus Italien, ach, ein Land, über dem täglich die Sonne lacht!« Kohn: »Das
ist noch gar nichts. Über Deutschland lacht täglich die ganze Welt.«
Kurz nach Beginn des Hitler-Regimes bemühten sich die
alteingesessenen Juden in Berlin, ihren Besitz in kostbaren Antiquitäten
anzulegen. Ein Kunsthändler besucht seinen besten Kunden, einen reichen Bankier,
öffnet behutsam einen mitgebrachten Ebenholzkasten und sagt: »Herr Pfeffer, ich
habe Ihnen etwas ganz Schönes mitgebracht: eine Totenmaske von Franz Liszt.« Der
Bankier betrachtet die Totenmaske lange und fragt dann: »Haben Sie so etwas
nicht in Hitler?«
Während der Nazizeit tritt Lefkowitz in ein deutsches
Polizeirevier; unter dem Arm hält er eine Zeitung, in der ein Stellenangebot rot
umrahmt ist.
»Sie kommen wegen dieser Stelle?« fragt der
diensthabende Polizist. »Das muss ein Witz sein. Können Sie nicht lesen? Wir
brauchen einen starken, abgehärteten jungen Mann ohne Brille. Außerdem steht
klar da, dass wir einen Arier wollen. Sie sind offensichtlich Jude. Was also
machen Sie hier?« »Ich bin nur gekommen, um Ihnen zu sagen«, entgegnet Lefkowitz,
»dass Sie mit mir nicht rechnen sollten.«
Robert Altmann und seine Sekretärin saßen 1935 in einem
Berliner Kaffeehaus. »Herr Altmann«, sagte die Sekretärin. »Ich sehe gerade,
dass Sie den »Völkischen Beobachter« lesen! Ich verstehe beim besten Willen
nicht, was Sie mit diesem Dreckblatt der Nazis wollen. Sind Sie etwa
masochistisch veranlagt, oder gar - Gott bewahre - verrückt geworden?«
»Ganz im Gegenteil, Frau Epstein. Früher, als ich noch die
jüdischen Zeitungen gelesen habe, habe ich von nichts anderem erfahren als von
Pogromen, von Aufständen in Palästina und von Assimilation in Amerika. Aber seit
ich den »Stürmer« lese, erfahre ich nur Erfreuliches: Ich höre, dass die Juden
alle Banken unter Kontrolle haben, dass wir führend in den Künsten sind und dass
wir kurz davor sind, die ganze Welt zu beherrschen.«
Ein älterer Jude aus Berlin findet sich plötzlich von
rauhbeinigen Nazis umringt, die ihn zu Boden schlagen und höhnisch fragen: »Na,
Jude, wer ist denn schuld am Krieg?«
Der kleine Jude ist nicht auf den Kopf gefallen und antwortet: »Die Juden und
die Radfahrer.« »Warum die Radfahrer?« fragen die Nazis. »Warum die Juden?«
kontert der alte Mann.
Ein österreichischer Jude, der ein Gespür für die drohend
bevorstehende Übernahme seines Landes durch Hitler hat, zieht verschiedene
Auswanderungsmöglichkeiten in Betracht.
Er geht in ein Reisebüro, um sich beraten zu lassen. Der Angestellte holt einen
Globus heraus und fängt an, die erforderlichen Einreisebestimmungen der
einzelnen Länder zu erklären. Schnell erweist sich, dass die meisten Auswege
versperrt sind. Das eine Land fordert eine Arbeitserlaubnis; das zweite erkennt
österreichische Pässe nicht an, ein drittes besteht auf dem Nachweis
finanzieller Sicherheiten für Neuankömmlinge, das vierte will überhaupt keine
Immigranten aufnehmen - am allerwenigsten Juden.
Schließlich fragt der Jude resigniert: »Haben Sie nicht einen anderen Globus?«
Naziherrschaft in Wien. Nachts in einer einsamen Gasse
schwankt ein betrunkener, großmächtiger Goj auf den schüchtern dahinschreitenden
Naftali zu und murmelt: »Sie - Sie sind - a Jud!«
Naftali, erschrocken: »Und Sie? Sie sind total besoffen.«
Der Betrunkene: »Ja, ja - aber das vergeht bis morgen früh.«
SS-Arzt zum Juden: »Wenn du errätst, welches meiner beiden
Augen aus Glas ist, lass' ich dich laufen.« Der Jude: »Das linke.«
Der SS-Arzt: »Das ist richtig! Wie hast du das so schnell erkennen können?«
Der Jude: »Es kuckt so menschlich.«